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Alles über: Bremsweg

Bremsen ist mehr als einfach nur stehenbleiben. Und der Weg aus voller Fahrt bis hin zum Stand ist länger, als dein Bike eigentlich braucht. Warum? Weil wir dazwischen geschalten sind.

Richtig bremsen will geübt sein
Richtig bremsen will geübt sein

In der Umgangssprache heißt das Ding einfach nur Bremsweg. Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Neben der rein technischen Geschichte, also des Weges, den dein Bike bis zum Stand braucht, spielt auch deine Reaktion eine ganz entscheidende Rolle.

Bis du nämlich in die Eisen steigst, musst du erst einmal realisieren, dass du bremsen solltest, entscheiden, dass du bremsen willst und das Signal an deine rechte Hand und den rechten Fuß senden, dass sie die Bremse betätigen sollen. In dieser Zeit bist du noch mit voller Fahrt unterwegs und legst etliche Meter zurück. Also muss auch dieser sogenannte Reaktionsweg mit einkalkuliert werden. Denn die Gefahr weicht ja nicht zurück, je länger du nachdenkst, ganz im Gegenteil.

Das ganze Konstrukt von voller Fahrt bis Stand setzt sich also wie folgt zusammen:

Anhalteweg = Reaktionsweg + Bremsweg

Wie schnell reagieren wir eigentlich so?

Wenn du ausgeschlafen und nicht abgelenkt und dazu geübt in der Bedienung deines Motorrads bist, dauert die Reaktionsphase in etwa eine Sekunde. Das steigert sich natürlich dramatisch, wenn du mit anderen Dingen beschäftigt bist, zu spät auf die Straße schaust oder aber erst drüber nachdenken musst, wo die Bremsen eigentlich sind.

Und wie fix ist das Bike?

Ein herkömmliches Durchschnittsmotorrad hat eine Verzögerung von etwa 6,5 Meter pro Sekunde. Auch hier spielt es eine große Rolle, wie geübt du im Bremsen bist und ob du Vorder- und Hinterbremse betätigst. Auch Faktoren wie Fahrbahnbelag und Nässe können hier noch dramatisch einwirken. Gute Fahrer schaffen, eine Verzögerung von 10 auf’s Parkett zu zaubern. Bei weniger geübten kann es aber schnell auch mal Richtung 4 rutschen.

Ein einfaches Beispiel:

Nehmen wir an, du fährst 100 km/h und musst eine Notbremsung durchführen. D.h. du willst so schnell wie möglich stehen bleiben. Wenn du in einer Sekunde reagierst, fährt du schon mal 27,78 m ungebremst weiter. Wenn du jetzt mit einer Verzögerung von 10 profimäßig bremst, hättest du einen Bremsweg von 35,58 m – macht in Summe: 63,36 m Anhalteweg. Nehmen wir an, du bist ganz neu auf deinem Bike und verzögerst mit 4 m/s während des Bremsvorgangs: Du brauchst 93,41 m um stehen zu bleiben. Inklusive des Reaktionswegs macht das 121,19 m. D.h. doppelt so lange!

Wenn du selbst ein bisschen rechnen möchtest, findest du hier einen tollen Bremswegrechner.

Tempolimits und Sichtweite machen absolut Sinn

Wenn man sich die Brems- und Anhaltewege einmal wieder vor Augen führt, erscheinen Tempolimits – beispielsweise in Ortschaften, auf vielbefahrenen, unübersichtlichen Straßen oder im Baustellenbereich – gar nicht mehr so abwegig. Unabhängig davon, was angeschrieben steht, solltest du immer nur so schnell fahren, dass du die Strecke, die du im Ernstfall zum Bremsen brauchst, überblicken kannst. Nicht selten steht plötzlich hinter der Kurve ein Traktor quer, der Gegenverkehr überholt Fahrradfahrer (und denkt dabei, einen Mähdrescher in Überbreite zu fahren) oder jemand rangiert mit dem Auto aus einem Parkplatz oder einer Einfahrt.
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